Verfügbare Medikamente:
- Tamiflu (Oseltamivir)
Bei der echten Grippe entscheidet der Zeitpunkt über die Behandlung. Antivirale Medikamente wirken nur, wenn sie innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn eingenommen werden. Danach lässt sich die Infektion nur noch symptomatisch behandeln.
Auf dieser Seite erfährst du, wie sich Influenza von einer Erkältung unterscheidet, wann eine antivirale Behandlung sinnvoll ist und was du sonst tun kannst.
Überblick
Grippe oder Erkältung?
Umgangssprachlich wird jeder Infekt als Grippe bezeichnet. Medizinisch handelt es sich um zwei verschiedene Erkrankungen mit unterschiedlichen Erregern und sehr unterschiedlichem Verlauf.
Eine Erkältung wird durch eine Vielzahl verschiedener Viren ausgelöst, meist Rhinoviren. Sie beginnt schleichend über ein bis zwei Tage, verläuft mild und klingt nach etwa einer Woche ab.
Die echte Grippe wird durch Influenzaviren verursacht. Charakteristisch ist der plötzliche Beginn: Betroffene können oft die Stunde benennen, in der es losging. Fieber über 38,5 Grad, ausgeprägte Muskel- und Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und ein starkes Krankheitsgefühl treten innerhalb kurzer Zeit auf.
Typische Unterschiede
- Beginn: Erkältung schleichend, Grippe schlagartig.
- Fieber: Bei Erkältung selten und niedrig, bei Grippe hoch und oft mit Schüttelfrost.
- Gliederschmerzen: Bei Erkältung leicht, bei Grippe ausgeprägt.
- Schnupfen: Bei Erkältung im Vordergrund, bei Grippe eher zweitrangig.
- Husten: Bei Grippe meist trocken und quälend.
- Dauer: Erkältung etwa eine Woche, Grippe ein bis zwei Wochen, Erschöpfung oft mehrere Wochen darüber hinaus.
Sicher unterscheiden lässt sich beides nur durch einen Test. Ein Rachen- oder Nasenabstrich liefert innerhalb kurzer Zeit ein Ergebnis. Die Symptome allein reichen für eine sichere Zuordnung nicht aus, zumal auch andere Erreger wie RSV oder Coronaviren ähnliche Verläufe zeigen können.
Wie verbreitet sich das Virus?
Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Tröpfchen beim Husten, Niesen und Sprechen. Möglich ist auch eine Schmierinfektion über Türgriffe, Haltestangen oder Einkaufswagen, wenn anschließend Mund, Nase oder Augen berührt werden.
Ansteckend ist man bereits etwa einen Tag vor dem Auftreten der ersten Symptome und danach noch etwa vier bis fünf Tage. Genau das erklärt, warum sich Influenza so schnell verbreitet: Die Übertragung beginnt, bevor jemand weiß, dass er krank ist.
Die Grippesaison liegt in Deutschland typischerweise zwischen Dezember und April. Trockene Heizungsluft macht die Schleimhäute anfälliger, und der vermehrte Aufenthalt in geschlossenen Räumen begünstigt die Übertragung.
Antivirale Behandlung mit Tamiflu
Tamiflu enthält den Wirkstoff Oseltamivir und gehört zur Gruppe der Neuraminidasehemmer. Der Wirkstoff blockiert ein Enzym, das die Influenzaviren benötigen, um aus infizierten Zellen auszutreten und weitere Zellen zu befallen. Die Ausbreitung im Körper wird dadurch gebremst.
Das Zeitfenster von 48 Stunden
Neuraminidasehemmer wirken nur, wenn die Einnahme innerhalb von 48 Stunden nach den ersten Symptomen beginnt – je früher, desto besser. Zu diesem Zeitpunkt vermehrt sich das Virus noch aktiv. Später ist der Höhepunkt der Virusvermehrung überschritten, und die Beschwerden entstehen überwiegend durch die Immunreaktion des Körpers. Ein Wirksamkeitsnachweis besteht dann nicht mehr. Wenn deine Symptome schon länger bestehen, ist eine antivirale Behandlung nicht mehr sinnvoll.
Einnahme
Tamiflu wird als Kapsel eingenommen, zweimal täglich über fünf Tage. Die Einnahme mit einer Mahlzeit verringert Übelkeit.
Die Packung wird vollständig aufgebraucht, auch wenn die Beschwerden früher nachlassen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Dosisanpassung erforderlich.
Was realistisch zu erwarten ist
Der Nutzen ist begrenzt und sollte nicht überschätzt werden. In Studien verkürzte sich die Krankheitsdauer bei ansonsten gesunden Erwachsenen im Mittel um etwa einen Tag.
Deutlicher ist der Nutzen bei Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf. Hier geht es weniger um die Dauer als um die Vermeidung von Komplikationen wie einer Lungenentzündung.
Mögliche Nebenwirkungen
Am häufigsten treten Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Bauchschmerzen auf. Die Einnahme zu den Mahlzeiten verbessert die Verträglichkeit deutlich.
Selten wurden neuropsychiatrische Reaktionen berichtet, vor allem bei Kindern und Jugendlichen: Verwirrtheit, Halluzinationen oder ungewöhnliches Verhalten. Treten solche Symptome auf, sollte die Einnahme beendet und ärztlicher Rat eingeholt werden.
Für wen ist eine Behandlung besonders sinnvoll?
Bei einem erhöhten Risiko für Komplikationen empfehlen die Leitlinien eine antivirale Behandlung ausdrücklich:
- Menschen ab 60 Jahren
- Chronische Erkrankungen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, COPD, Diabetes, Nieren- oder Lebererkrankungen, neurologische Grunderkrankungen.
- Geschwächtes Immunsystem, etwa unter Chemotherapie oder immunsuppressiver Behandlung.
- Schwangere – hier ist die Behandlung ärztlich vor Ort abzuklären.
- Starkes Übergewicht mit einem BMI über 40.
Wann sofort ein Arzt vor Ort erforderlich ist
- Atemnot, Kurzatmigkeit in Ruhe oder schnelle, flache Atmung.
- Brustschmerzen oder Druckgefühl im Brustkorb.
- Bläuliche Lippen oder Fingernägel.
- Verwirrtheit, Benommenheit oder schwere Erweckbarkeit.
- Erneuter Fieberanstieg nach zwischenzeitlicher Besserung – möglicher Hinweis auf eine bakterielle Zweitinfektion.
- Anhaltendes hohes Fieber über mehrere Tage ohne Besserung.
- Zeichen von Austrocknung: kaum Wasserlassen, starker Durst, trockene Schleimhäute.
Was sonst noch hilft
Unabhängig von einer antiviralen Behandlung sind diese Maßnahmen wirksam und wichtig:
- Ruhe: Der Körper braucht Energie für die Immunantwort. Sich mit fiebersenkenden Mitteln arbeitsfähig zu halten, verlängert den Verlauf und erhöht das Risiko für Komplikationen – insbesondere für eine Herzmuskelentzündung.
- Trinken: Bei Fieber steigt der Flüssigkeitsbedarf deutlich. Wasser, Tee oder Brühe.
- Fieber- und Schmerzmittel: Paracetamol oder Ibuprofen lindern Gliederschmerzen und senken das Fieber. Mäßiges Fieber muss nicht zwingend gesenkt werden, es ist Teil der Abwehrreaktion.
- Luftfeuchtigkeit: Feuchte Raumluft entlastet gereizte Schleimhäute und lindert trockenen Husten.
- Zu Hause bleiben: Schützt andere und ist während der ansteckenden Phase geboten.
Antibiotika helfen nicht
Influenza wird durch Viren verursacht. Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien und sind bei einer Grippe wirkungslos. Sie kommen nur infrage, wenn sich zusätzlich eine bakterielle Infektion entwickelt – etwa eine Lungenentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung. Der unnötige Einsatz belastet die Darmflora und fördert Resistenzen.
Vorbeugung
- Grippeimpfung: Die wirksamste Maßnahme. Die STIKO empfiehlt sie für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, chronisch Kranke, medizinisches Personal und Personen mit viel Publikumskontakt. Da sich die Viren jährlich verändern, ist eine jährliche Auffrischung nötig. Idealer Zeitpunkt ist Oktober oder November.
- Händehygiene: Regelmäßiges Waschen mit Seife über mindestens 20 Sekunden.
- Nicht ins Gesicht fassen: Die häufigste Eintrittspforte für Schmierinfektionen.
- Lüften: Regelmäßiger Luftaustausch senkt die Viruslast in geschlossenen Räumen.
- Abstand in der Saison: Besonders zu erkennbar erkrankten Personen.
Auf einen Blick
Die echte Grippe beginnt plötzlich mit hohem Fieber und starken Gliederschmerzen und unterscheidet sich damit deutlich von einer Erkältung. Tamiflu hemmt die Virusvermehrung, wirkt aber nur bei Behandlungsbeginn innerhalb von 48 Stunden nach den ersten Symptomen. Der Nutzen ist bei Gesunden begrenzt und bei Risikogruppen am größten. Antibiotika sind wirkungslos. Bei Atemnot, Brustschmerzen oder Verwirrtheit ist sofort ein Arzt vor Ort aufzusuchen.
Behandlungen:
- Tamiflu (Oseltamivir)