Verfügbare Medikamente:
Genitalwarzen
- Aldara (Imiquimod)
Vaginale Pilzinfektion
Nagelpilzinfektion
- Terbinafin
- Itraconazol
- Sporanox (Itraconazol)
Antibiotikum
Die meisten sexuell übertragbaren Infektionen verlaufen anfangs ohne Beschwerden. Gerade das macht sie gefährlich: Unbehandelt können sie zu bleibenden Schäden bis hin zur Unfruchtbarkeit führen. Erkannt lassen sich fast alle gut behandeln.
Auf dieser Seite erfährst du, welche Erreger häufig vorkommen, warum ein Test vor jeder Behandlung steht und wo die Grenzen einer Fernbehandlung liegen.
Überblick
Warum viele Infektionen unbemerkt bleiben
Sexuell übertragbare Infektionen werden durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten verursacht. Ein Großteil verläuft über Wochen oder Monate symptomlos – bei Chlamydien etwa bemerken bis zu 80 Prozent der betroffenen Frauen und rund die Hälfte der Männer zunächst nichts.
Die Infektion ist in dieser Zeit trotzdem übertragbar und richtet weiter Schaden an. Bei Chlamydien kann eine unbehandelte Infektion in die Eileiter oder Nebenhoden aufsteigen und dort Vernarbungen hinterlassen. Das ist einer der häufigsten Gründe für ungewollte Kinderlosigkeit in Deutschland.
Mögliche Anzeichen
- Veränderter Ausfluss: Neue Farbe, ungewohnter Geruch oder deutlich veränderte Menge.
- Brennen beim Wasserlassen oder häufiger Harndrang.
- Juckreiz, Rötung oder Schwellung im Genitalbereich.
- Bläschen, Geschwüre, Knötchen oder Warzen an Genitalien, After oder Mund.
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, im Unterbauch oder in den Hoden.
- Zwischenblutungen außerhalb der Regel.
Beschwerden können auch am After oder im Rachen auftreten, je nach Art des Kontakts.
Wichtiger Hinweis
Diese Symptome überschneiden sich stark zwischen verschiedenen Erregern. Ausfluss und Juckreiz können von einer Pilzinfektion stammen, ebenso von einer bakteriellen Vaginose, von Trichomonaden oder von Chlamydien – die Behandlung ist jeweils eine völlig andere. Eine Selbsteinschätzung anhand der Beschwerden ist deshalb unzuverlässig. Sie führt regelmäßig dazu, dass eine bakterielle Infektion monatelang mit einem Pilzmittel behandelt wird und in dieser Zeit fortschreitet.
Warum ein Test vor der Behandlung steht
Anders als bei vielen anderen Beschwerden lässt sich hier nicht vom Symptom auf die Ursache schließen. Erforderlich ist ein Erregernachweis – je nach Fragestellung durch Abstrich, Urinprobe oder Blutuntersuchung.
Ein Test ist auch dann sinnvoll, wenn du keine Beschwerden hast, aber ein Risiko bestand: nach ungeschütztem Verkehr mit einem neuen Partner, nach einem Partnerwechsel oder wenn ein Partner positiv getestet wurde.
Testen lassen kannst du dich beim Hausarzt, Gynäkologen, Urologen, Hautarzt oder beim Gesundheitsamt – dort häufig anonym und kostenfrei. Auch AIDS-Hilfen und Beratungsstellen bieten niedrigschwellige Testangebote an.
Info
Jeder Test hat ein diagnostisches Fenster. Direkt nach einem Risikokontakt ist ein Erreger oft noch nicht nachweisbar. Bei Chlamydien und Gonokokken sind es meist ein bis zwei Wochen, bei HIV und Syphilis mehrere Wochen bis Monate. Ein zu früher Test kann falsch negativ ausfallen. Bespreche den richtigen Zeitpunkt mit der testenden Stelle.
Genitalwarzen
Verursacht durch bestimmte Typen des humanen Papillomvirus (HPV) und eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen überhaupt. Es handelt sich um weiche, hautfarbene bis bräunliche Knötchen, die einzeln oder in Beeten an Genitalien, After oder in der Leiste auftreten.
Imiquimod wird örtlich aufgetragen und wirkt nicht direkt gegen das Virus, sondern regt die Immunabwehr in der behandelten Haut an. Die Behandlung erstreckt sich über mehrere Wochen, üblicherweise dreimal wöchentlich über Nacht mit anschließendem Abwaschen.
Eine örtliche Reaktion mit Rötung, Brennen und leichter Erosion ist dabei Teil der Wirkung und kein Grund zum Abbruch. Wird sie zu stark, kann eine Pause eingelegt werden.
Vor der Behandlung
Die Veränderungen sollten ärztlich begutachtet worden sein, bevor eine Behandlung beginnt. Nicht jedes Knötchen im Genitalbereich ist eine Warze – infrage kommen auch harmlose Talgdrüsen, Dellwarzen oder in seltenen Fällen bösartige Veränderungen, die eine ganz andere Behandlung erfordern.
Weitere Punkte: Imiquimod kann Kondome und Diaphragmen beschädigen. Die Anwendung im Inneren der Scheide, am Gebärmutterhals oder im After ist nicht vorgesehen. In der Schwangerschaft ist sie ausgeschlossen. Gegen die Hochrisiko-HPV-Typen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können, schützt eine Impfung, die für Mädchen und Jungen empfohlen wird.
Vaginale Pilzinfektion
Meist durch Candida-Hefepilze verursacht. Typisch sind starker Juckreiz, Brennen und ein weißlicher, krümeliger Ausfluss ohne auffälligen Geruch.
Eine Pilzinfektion ist keine Geschlechtskrankheit im engeren Sinn. Sie entsteht häufig nach einer Antibiotikatherapie, in der Schwangerschaft, bei Diabetes oder unter hormonellen Veränderungen – also dann, wenn das Gleichgewicht der Scheidenflora gestört ist.
Nystatin wird örtlich angewendet und wirkt gezielt gegen Hefepilze. Wichtig ist, die Anwendung über den gesamten vorgesehenen Zeitraum fortzusetzen, auch wenn der Juckreiz schon nach zwei Tagen nachlässt.
Bei wiederkehrenden Infektionen sollte die Ursache abgeklärt werden. Häufige Rückfälle können auf einen bislang unentdeckten Diabetes hinweisen. Auch übertriebene Intimhygiene mit Seifen und Duschgels begünstigt Pilzinfektionen, weil sie die schützende Flora zerstört – klares Wasser genügt.
Nagelpilz
Ebenfalls keine sexuell übertragbare Erkrankung. Die Ansteckung erfolgt meist in Schwimmbädern, Saunen, Umkleiden oder über gemeinsam genutzte Handtücher. Betroffen sind überwiegend Fußnägel.
Typisch sind gelblich-weiße Verfärbungen, Verdickung und Brüchigkeit des Nagels, oft beginnend am vorderen Rand.
Behandlung mit Terbinafin oder Itraconazol
Beide Wirkstoffe werden als Tablette eingenommen und gelangen über den Blutkreislauf in die Nagelmatrix. Die Behandlungsdauer richtet sich danach, wie schnell der Nagel nachwächst: bei Fingernägeln etwa sechs Wochen bis drei Monate, bei Fußnägeln drei bis sechs Monate.
Der sichtbar geschädigte Nagelteil verschwindet nicht durch die Behandlung – er muss vollständig herauswachsen. Das gesunde Nachwachsen erkennst du am Nagelbett. Ein vorzeitiger Abbruch, weil sich äußerlich nichts tut, ist der häufigste Grund für Rückfälle.
Bei Befall von weniger als der Hälfte des Nagels und ohne Beteiligung der Nagelwurzel kann eine rein äußerliche Behandlung mit Nagellack ausreichen.
Wichtige Hinweise zur Nagelpilzbehandlung
- Itraconazol hat sehr viele Wechselwirkungen – unter anderem mit Cholesterinsenkern, Blutverdünnern, Herzmedikamenten und bestimmten Beruhigungsmitteln. Bei Herzschwäche ist es kontraindiziert. Gib alle eingenommenen Medikamente an, auch rezeptfreie.
- Terbinafin kann die Leberwerte beeinflussen. Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin, heller Stuhl oder anhaltende Übelkeit erfordern eine sofortige ärztliche Abklärung. Selten kommt es zu anhaltendem Geschmacksverlust.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Beide Wirkstoffe sind ausgeschlossen. Nagelpilz ist harmlos genug, um die Behandlung zu verschieben.
- Schuhe und Socken mitbehandeln: Ohne Desinfektion der Schuhe kommt es fast immer zur erneuten Ansteckung. Socken bei mindestens 60 Grad waschen.
Grenzen der Fernbehandlung
Nicht jede Infektion in diesem Bereich lässt sich ohne persönliche Untersuchung behandeln. Zwingend vor Ort abzuklären sind:
- Syphilis: Die Behandlung erfolgt mit Penicillin als Injektion in den Muskel. Tabletten sind keine gleichwertige Alternative.
- Gonorrhoe (Tripper): Wegen zunehmender Resistenzen ist eine Injektion mit Ceftriaxon Standard. Orale Antibiotika reichen in der Regel nicht mehr aus.
- HIV: Erfordert eine spezialisierte fachärztliche Betreuung. Nach einem Risikokontakt ist eine Postexpositionsprophylaxe innerhalb von 48 Stunden möglich – wende dich dafür sofort an eine Notaufnahme oder HIV-Schwerpunktpraxis.
- Beschwerden mit Fieber, starken Unterbauchschmerzen oder Hodenschwellung – möglicher Hinweis auf eine aufsteigende Infektion.
- Unklare Befunde ohne Erregernachweis.
In der Schwangerschaft gehört jede Infektion in ärztliche Betreuung vor Ort. Einige Erreger können auf das Kind übertragen werden, zugleich sind viele Wirkstoffe dann nicht anwendbar.
Derzeit nicht über uns behandelbar
Für Chlamydien, bakterielle Vaginose, Trichomoniasis und Herpes genitalis sind über unseren Service aktuell keine passenden Präparate verfügbar. Diese Infektionen sind gut behandelbar – wende dich dafür an deine hausärztliche, gynäkologische oder urologische Praxis. Bei einem positiven Chlamydientest sollte die Behandlung zeitnah beginnen, da eine unbehandelte Infektion aufsteigen und bleibende Schäden verursachen kann.
Was während einer Behandlung zu beachten ist
Vollständig zu Ende behandeln
Auch wenn die Beschwerden nach zwei Tagen verschwunden sind: Die Packung wird aufgebraucht. Ein vorzeitiger Abbruch führt dazu, dass überlebende Erreger die Infektion erneut auslösen – und bei Antibiotika steigt die Wahrscheinlichkeit für Resistenzen.
Partner einbeziehen
Bei sexuell übertragbaren Infektionen ist das der entscheidende Punkt. Wird nur eine Person behandelt, kommt es beim nächsten Kontakt zur erneuten Ansteckung – ein Kreislauf, der sich über Monate ziehen kann.
Der Partner sollte sich testen und gegebenenfalls behandeln lassen, auch wenn er beschwerdefrei ist. Bis zum Abschluss beider Behandlungen sollte auf Geschlechtsverkehr verzichtet oder konsequent ein Kondom verwendet werden.
Antibiotika und Verhütung
Kommt es unter einer Antibiotikabehandlung zu Erbrechen oder starkem Durchfall, kann die Sicherheit hormoneller Verhütungsmittel eingeschränkt sein. Nutze in diesem Zyklus zusätzlich eine nicht-hormonelle Methode.
Vorbeugung
- Kondome: Der wirksamste Schutz vor den meisten Erregern. Bei Genitalwarzen und Herpes ist der Schutz allerdings unvollständig, da auch nicht bedeckte Hautstellen infektiös sein können.
- Regelmäßige Tests: Bei wechselnden Partnern sinnvoll, unabhängig von Beschwerden.
- HPV-Impfung: Von der STIKO für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren empfohlen, eine Nachholimpfung ist bis 17 Jahre möglich. Sie schützt vor Genitalwarzen und den Hochrisiko-Typen.
- Hepatitis-B-Impfung: Ebenfalls Teil der Standardimpfungen und schützt vor einer sexuell übertragbaren Virusinfektion.
- Offen sprechen: Ein Gespräch über Tests und Schutz vor dem ersten Kontakt ist unangenehmer als eine Infektion – aber deutlich weniger unangenehm als deren Folgen.
Auf einen Blick
Sexuell übertragbare Infektionen verlaufen häufig ohne Symptome, richten aber trotzdem Schaden an. Da sich die Beschwerden verschiedener Erreger stark ähneln, steht ein Erregernachweis vor jeder Behandlung. Über uns behandelbar sind derzeit Genitalwarzen mit Imiquimod, vaginale Pilzinfektionen mit Nystatin und Nagelpilz mit Terbinafin oder Itraconazol. Syphilis, Gonorrhoe und HIV erfordern eine Behandlung vor Ort. Entscheidend bleibt in allen Fällen: vollständig zu Ende behandeln und den Partner einbeziehen.
Behandlungen:
Genitalwarzen
- Aldara (Imiquimod)
Vaginale Pilzinfektion
Nagelpilzinfektion
- Terbinafin
- Itraconazol
- Sporanox (Itraconazol)
Antibiotikum