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Etwa jeder fünfte Mann über 30 kennt Erektionsstörungen, ab 60 ist es rund jeder Zweite. Die Ursachen sind in den meisten Fällen körperlich und gut behandelbar. Mit den PDE-5-Hemmern steht eine verschreibungspflichtige Wirkstoffgruppe zur Verfügung, deren Wirksamkeit seit über zwei Jahrzehnten umfassend belegt ist.

PDE-5-Hemmer wie Sildenafil (Viagra) oder Tadalafil (Cialis) greifen an derselben Stelle im Körper an und unterscheiden sich vor allem in Wirkeintritt und Wirkdauer. Auf dieser Seite erfährst du, wie eine Erektion entsteht, warum sie ausbleiben kann, wie diese Wirkstoffe eingreifen und welche Punkte vor einer Behandlung geklärt werden müssen.

Was ist eine erektile Dysfunktion?

Von einer erektilen Dysfunktion spricht man, wenn über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten eine Erektion in der Mehrzahl der Versuche nicht ausreicht oder nicht lange genug anhält, um befriedigenden Geschlechtsverkehr zu ermöglichen. Gelegentliche Schwierigkeiten sind dagegen normal und haben keinen Krankheitswert – Müdigkeit, Alkohol, Stress oder eine ungewohnte Situation reichen dafür aus.

Eine Erektion ist ein Zusammenspiel aus Nervensystem, Blutgefäßen, Hormonen und Psyche. Bei sexueller Erregung geben Nervenenden im Schwellkörper Stickstoffmonoxid frei. Das entspannt die glatte Muskulatur der Arterien, der Blutzufluss steigt, die Schwellkörper füllen sich und drücken die abführenden Venen ab. Der Druck bleibt bestehen, solange die Erregung anhält. Störungen können an jedem Punkt dieser Kette entstehen.

Körperliche Ursachen

Sie stehen bei etwa 70 bis 80 Prozent der Fälle im Vordergrund, besonders ab dem mittleren Lebensalter.

  • Gefäßerkrankungen: Arteriosklerose, Bluthochdruck und erhöhte Blutfette schränken die Durchblutung ein. Die feinen Penisarterien sind dabei früher betroffen als die Herzkranzgefäße.
  • Diabetes mellitus: Schädigt Gefäße und Nerven gleichermaßen. Erektionsstörungen sind bei Diabetikern deutlich häufiger und treten oft früher auf.
  • Hormonelle Ursachen: Testosteronmangel, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder ein erhöhter Prolaktinspiegel.
  • Neurologische Erkrankungen: Multiple Sklerose, Parkinson, Bandscheibenvorfälle oder Nervenschädigungen nach Operationen im Beckenbereich.
  • Medikamente: Bestimmte Blutdrucksenker, Antidepressiva, Betablocker und Prostatamedikamente können Erektionsstörungen auslösen.
  • Lebensstil: Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und regelmäßiger Alkoholkonsum wirken sich direkt auf die Gefäßfunktion aus.

Psychische Ursachen

Bei jüngeren Männern häufiger als körperliche Ursachen. Typisch sind Leistungsdruck, Versagensangst, Beziehungskonflikte, Depressionen oder anhaltender beruflicher Stress. Charakteristisch ist, dass morgendliche und nächtliche Erektionen erhalten bleiben und die Beschwerden situationsabhängig auftreten.

Häufig mischen sich beide Bereiche: Eine zunächst körperlich bedingte Störung führt zu Versagensangst, die das Problem dann verstärkt und aufrechterhält.

Wichtig zu wissen

Eine neu aufgetretene Erektionsstörung kann ein frühes Warnzeichen für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung sein. Die Penisarterien haben einen kleineren Durchmesser als die Herzkranzgefäße und reagieren daher früher auf beginnende Gefäßverkalkung – teilweise Jahre vor einem Herzinfarkt. Eine ärztliche Abklärung von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten beim Hausarzt ist deshalb sinnvoll, unabhängig davon, ob eine medikamentöse Behandlung erfolgt.

Wie wirken PDE-5-Hemmer?

Das Enzym Phosphodiesterase-5 baut im Schwellkörper eine Botenstoffsubstanz namens cGMP ab, die für die Gefäßerweiterung sorgt. PDE-5-Hemmer blockieren dieses Enzym. Dadurch bleibt cGMP länger wirksam, die Arterien entspannen sich stärker und der Bluteinstrom nimmt zu.

Alle Vertreter dieser Gruppe nutzen denselben Mechanismus. Unterschiede bestehen vor allem darin, wie schnell die Wirkung einsetzt, wie lange sie anhält und wie stark Mahlzeiten die Aufnahme beeinflussen.

Info

PDE-5-Hemmer erzeugen keine Erektion und steigern nicht das sexuelle Verlangen. Sie verstärken lediglich einen Vorgang, der ohnehin abläuft. Ohne sexuelle Erregung passiert nichts – der körpereigene Auslöser muss vorhanden sein, damit das Medikament überhaupt ansetzen kann.

Sildenafil (Viagra)

Sildenafil war 1998 der erste zugelassene Wirkstoff dieser Klasse und ist bis heute der am besten untersuchte. Erhältlich ist er in den Stärken 25 mg, 50 mg und 100 mg.

Die Wirkung setzt in der Regel nach 30 bis 60 Minuten ein, das Wirkfenster umfasst etwa vier bis sechs Stunden. Eine fettreiche Mahlzeit verzögert die Aufnahme deutlich – auf nüchternen Magen wirkt Sildenafil schneller und zuverlässiger. Die Einnahme erfolgt bei Bedarf, nicht dauerhaft.

Tadalafil (Cialis)

Tadalafil unterscheidet sich vor allem durch die deutlich längere Wirkdauer von bis zu 36 Stunden. Das erlaubt mehr zeitliche Spontaneität, weil die Einnahme nicht eng an den geplanten Zeitpunkt gekoppelt ist.

Der Wirkeintritt liegt bei etwa 30 Minuten bis zwei Stunden. Mahlzeiten beeinflussen die Aufnahme kaum. Neben der bedarfsweisen Einnahme in höherer Dosierung existiert eine niedrig dosierte Variante zur täglichen Anwendung. Als Nebenwirkung treten Rücken- und Muskelschmerzen etwas häufiger auf als unter Sildenafil.

In welchen Fällen wirken PDE-5-Hemmer?

Die Wirkstoffe sind zugelassen zur Behandlung der erektilen Dysfunktion beim erwachsenen Mann. Da sie am Mechanismus der Gefäßerweiterung ansetzen, wirken sie bei den meisten Ursachen – unabhängig davon, ob diese körperlich oder psychisch bedingt sind.

Gute Ansprechraten bestehen bei:

  • gefäßbedingten Erektionsstörungen in leichter bis mittlerer Ausprägung
  • Erektionsstörungen bei Diabetes mellitus
  • psychisch bedingten Störungen, auch zur Durchbrechung des Kreislaufs aus Versagensangst
  • Erektionsstörungen unter bestimmten Medikamenten, sofern eine Umstellung nicht möglich ist

Eingeschränkt oder nicht wirksam sind sie bei:

  • vollständiger Durchtrennung der zuständigen Nerven, etwa nach bestimmten Prostataoperationen
  • ausgeprägtem Testosteronmangel – hier ist zunächst die hormonelle Ursache zu behandeln
  • schwerer Schädigung der Schwellkörper selbst
  • fehlender sexueller Erregung, etwa bei stark vermindertem Verlangen

Was gibt es hierbei zu beachten?

Gegenanzeigen

PDE-5-Hemmer senken den Blutdruck. Das ist bei Gesunden unproblematisch, in Kombination mit bestimmten Substanzen und Vorerkrankungen aber gefährlich. Die folgenden Gegenanzeigen gelten für die gesamte Wirkstoffgruppe.

Absolute Gegenanzeigen

  • Nitrate und Stickstoffmonoxid-Donatoren: Nitroglycerin, Isosorbidmononitrat, Isosorbiddinitrat und Molsidomin. Die gleichzeitige Anwendung kann zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckabfall führen. Das gilt auch für Nitrospray, das bei Angina pectoris im Bedarfsfall eingesetzt wird.
  • Poppers: Amylnitrit und verwandte Substanzen fallen unter dieselbe Gruppe und sind ebenso gefährlich.
  • Riociguat: Ein Medikament gegen pulmonale Hypertonie, gleicher Wirkmechanismus, verstärkter Effekt.
  • Kürzlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall: Innerhalb der letzten sechs Monate.
  • Schwere Herzinsuffizienz oder instabile Angina pectoris.
  • Schwere Leberfunktionsstörung sowie niedriger Blutdruck unter 90/50 mmHg.
  • Bestimmte Netzhauterkrankungen: Insbesondere Retinitis pigmentosa und eine durchgemachte nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION).

Mögliche Nebenwirkungen

Die meisten Nebenwirkungen erklären sich direkt aus der Gefäßerweiterung und sind vorübergehend. Häufig treten Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, verstopfte Nase, Schwindel, Sodbrennen und Verdauungsbeschwerden auf. Sie sind meist mild ausgeprägt und klingen mit dem Nachlassen der Wirkung ab.

Gelegentlich kommt es zu Sehstörungen wie einem leichten Blaustich oder erhöhter Lichtempfindlichkeit, vor allem unter Sildenafil. Rücken- und Muskelschmerzen werden häufiger unter Tadalafil berichtet. Selten sind Herzrhythmusstörungen, Hörminderung oder Ohrensausen.

Sofort ärztliche Hilfe

Hält eine Erektion länger als vier Stunden an (Priapismus), ist das ein Notfall. Ohne Behandlung kann bleibendes Schwellkörpergewebe geschädigt werden. Dasselbe gilt bei plötzlichem Seh- oder Hörverlust sowie bei Brustschmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr. In diesen Fällen umgehend die 112 wählen oder eine Notaufnahme aufsuchen.

Wechselwirkungen

  • Alphablocker: Werden häufig bei Prostatavergrößerung eingesetzt. In Kombination kann der Blutdruck stark abfallen, ein zeitlicher Abstand ist erforderlich.
  • Bestimmte Antibiotika und Antimykotika: Erythromycin, Clarithromycin und Ketoconazol verlangsamen den Abbau, wodurch der Wirkspiegel steigt.
  • HIV-Medikamente: Insbesondere Ritonavir erhöht den Wirkspiegel erheblich. Eine Dosisanpassung ist zwingend.
  • Grapefruitsaft: Kann den Abbau hemmen und die Wirkung unvorhersehbar verstärken.

Einnahme und praktische Hinweise

  • Zeitpunkt: Bei Sildenafil etwa eine Stunde vor dem geplanten Geschlechtsverkehr. Bei Tadalafil ist der Abstand durch die lange Wirkdauer weniger kritisch.
  • Mahlzeiten: Sildenafil wirkt auf nüchternen Magen schneller und zuverlässiger. Bei Tadalafil spielt das kaum eine Rolle.
  • Alkohol: Größere Mengen beeinträchtigen die Erektionsfähigkeit unabhängig vom Medikament und können den Blutdruckabfall verstärken.
  • Höchstdosis: Nicht mehr als eine Tablette innerhalb von 24 Stunden. Eine höhere Dosis verbessert die Wirkung nicht, erhöht aber das Risiko für Nebenwirkungen.
  • Keine Kombination: Zwei PDE-5-Hemmer dürfen nicht gleichzeitig oder kurz nacheinander eingenommen werden.

Info

Bleibt der Erfolg beim ersten Versuch aus, bedeutet das nicht, dass der Wirkstoff ungeeignet ist. Studien zeigen, dass ein Teil der Anwender erst nach mehreren Anläufen anspricht – häufig, weil Anspannung und Erwartungsdruck beim ersten Mal dagegenwirken. Auch die Dosis lässt sich ärztlich anpassen.

Welche Alternativen gibt es?

  • Weitere PDE-5-Hemmer: Vardenafil und Avanafil unterscheiden sich in Wirkeintritt und Verträglichkeit und kommen infrage, wenn ein Wirkstoff nicht ausreichend anspricht.
  • Behandlung der Grunderkrankung: Eine gut eingestellte Diabetes- oder Blutdrucktherapie verbessert die Erektionsfähigkeit oft spürbar. Manchmal genügt bereits die Umstellung eines auslösenden Medikaments.
  • Lebensstil: Rauchstopp, Gewichtsreduktion und regelmäßige Bewegung wirken direkt auf die Gefäßfunktion. Der Effekt ist nachweisbar, tritt allerdings langsam ein.
  • Sexualtherapie oder Paarberatung: Bei überwiegend psychischer Ursache oft die wirksamere Behandlung, gut mit einer medikamentösen Therapie kombinierbar.
  • Vakuumpumpe, SKAT oder Implantate: Verfahren für Fälle, in denen Medikamente nicht wirken oder nicht angewendet werden dürfen. Die Abklärung erfolgt beim Urologen.

Auf einen Blick

PDE-5-Hemmer wie Sildenafil und Tadalafil verstärken bei sexueller Erregung den Bluteinstrom in die Schwellkörper und wirken bei den meisten Ursachen einer erektilen Dysfunktion. Sie erzeugen ohne Erregung keine Wirkung. Sildenafil wirkt nach etwa einer Stunde über vier bis sechs Stunden, Tadalafil deutlich länger. Die gleichzeitige Anwendung mit Nitraten ist lebensgefährlich und ausgeschlossen. Vor Behandlungsbeginn müssen Herz-Kreislauf-Situation, Begleitmedikation und mögliche Gegenanzeigen ärztlich geprüft werden.